Mein "Problem" ist wahrscheinlich, dass ich den Begriff "Ritus" aus einer orthodoxen Perspektive betrachte. Dort ist der Ritus nicht einfach ein RItus im alltäglichen Sinne, ein Brauchtum, eine Form, eine Tradition, sondern der Ritus ist immer gleichzeitig Theologie. Theologie und Ritus gehören zusammen. In der Göttlichen Liturgie beispielweise ist so gut wie nichts "zufällig" oder "bloß so" vorhanden, sondern es steht immer ein bestimmter Symbolismus, eine bestimmte Überzeugung dahinter. Deswegen versuche ich, wenn ich höre, dass der Pflichtzölibat ein Merkmal des lateinischen Ritus ist, zu erkennen, was dahinter steht.
@ Dimitris: Im Evangelium wird mehrmals gesagt, dass die Apostel alles verlassen hätten, um Jesus nachzufolgen (Mt 19,27; Mk 10,28; Lk 18,28 ). ALLES. Meinst du nicht, dass da auch die Frau dazu gehört?
Hierbei fällt doch auf, dass bei ALLEN DREI Synoptikern die Eltern und die Kinder aufgeführt werden, also die eigene Familie. Bei Lukas heißt es auch explizit "Frau".
Im Kontext von 1Kor 9, 5 kann ich mir die Evangeliumsstellen bezüglich des "Verlassens von allem" nur so erklären, dass damit vor allem ein Hintanstellen hinter Gott gemeint ist. Alles soll der Verkündigung des Evangeliums und der Lobpreisung Gottes nachgereiht sein. Aber ein tatsächliches, physisches Verlassen passt mit 1Kor 9, 5 nicht zusammen.


Abschaffung des Zölibat, Bischof, Missbrauch, Zölibat, Zwangszölibat