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Ralf

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  • "Ralf" started this thread

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Thursday, July 8th 2010, 8:31am

Orthodoxe Wahrnehmung des "Westens"

Hallo!

Bereits an anderer Stelle (in einem anderen Forum) hatte ich schon einmal vergeblich versucht klarzustellen, daß die orthodoxe Wahrnehmung des Westens häufig so falsch ist wie die westliche Wahrnehmung des Ostens. Der Westen (hiermit jetzt verkürzt die Katholische Kirche) ist theologisch sehr divers und auch oft für genügend versierte westliche Theologen kaum zu überblicken, daher halte ich dies für östliche Beobachter noch schwieriger.

Auch Orthodoxe, die im Westen aufgewachsen sind, müssen deswegen nicht schon per se vertraut sein mit der theologischen Denkart des Westens (von denen es viele legitime gibt). Ich selbst habe es schon mehrfach erlebt, daß in der dtsprachigen orthodoxen Gemeinde hier in Düsseldorf der dortige Priester (selbst Konvertit) über "den Westen" theologisches von sich gibt, wo ich uns überhaupt nicht adäquat wiedergegeben finde - mir ist übrigens sowieso schleierhaft, warum man seine eigene Position unbedingt im Gegensatz zu angeblich anderen beschreiben muß, anstelle daß sie aus sich für sich selbst wirbt (das gibt's auch zuhauf bei Katholiken leider, da ist dann zumeist die säkulare Welt der böse Gegenpart)

Es gab nun kürzlich eine Konferenz in der Uni Fordham/New York zu dem Thema "Orthodox Constructions of the West". Dieses hochspannende Thema wird in diesen zwei hervorragenden Blogs (beide Blogbetreiber sind orthodox), die zu meinen Lieblingsblogs gehören und das beste auf orthodoxem Gebiet sind, was ich kenne, ausführlich beschrieben. Auch die Kommentare sind lesenswert:

http://bekkos.wordpress.com/

http://eirenikon.wordpress.com/

Mich würde interessieren, wie Ihr dieses Thema wahrnehmt, ob ihr es als Problem betrachtet oder ob Ihr meint, alles sei bestens etc.

Ich selbst denke, gegenseitige Unkenntnis trotz anderer Selbsteinschätzung ist das größte Problem zur Annäherung und daß der Osten über den Westen genausoviel zu lernen hat wie umgekehrt (also jetzt meine ich nicht "lernen von", sondern eerst einmal "lernen über").

This post has been edited 1 times, last edit by "Ralf" (Jul 8th 2010, 8:40am)


Benedikt

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2

Thursday, July 8th 2010, 12:53pm

Ach, das tut gut Ralf.
Ich bin mit dir da sehr einer Meinung. Es ist ein riesiges Problem, sich gegenseitig so wahrzunehmen, dass der andere sich darin wiedererkennt.
Ursachen gibt es viele und nicht immer nur sprachliche ;)

Wenn wir mal die ganzen 'parteipolitischen' und 'geschichtlichen' Ursachen hinter uns lassen (und das ist schon ein rieser Brocken) dann liegt es meiner Meinung schon an den unterschiedlichen "Gebräuchen" von Worten. Und das liegt wohl an der unterschiedlichen Verwendungsweise und den verschiedenen Inhalten, die wir mit jeweils einem Begriff verknüpfen. Um nur einige zu benennen: Rechtfertigung und Theosis.

An anderer Stelle versuchen grade Orthodoxe sich der 'orthodoxen' Rechtfertigungslehre zu nähern. Das ist sowas von schwierig, dass ich keine Meinung habe, mich daran zu beteligen. Nicht dass dieser Begriff nicht neutestamentarisch wäre oder die Väter ihn nicht verwendet hätten, nein es ist die inhaltliche Begrifflichkeit, die so schwer zu vermitteln ist. Bei uns wirst du den Begriff kaum in einer Dogmatik finden, ebensowenig wie bei euch die Theosis, die in etwa inhaltlich der Rechtfertigung nahe ist.

Wenn wir Rechtfertigung hören, dann kommen all die 'Gerichtssaal'-Theologien auf, die wir lesen wenn wir Augustinus lesen. Und bei euch kommen wohl solche Ängste wie 'Selbsterlösung' auf wenn ihr Theosis hört. Wir finden, eure Theologie hat den 'Geist' verloren wenn wir mit'lesen' wie ihr mit Gott und um Gottes Gnade 'rechtet', ihr hört schwammiges Untheologisches wenn wir von der Gleichwerdung mit Gott reden.

Immerhin, Ralf, jetzt reden darüber Du und ich und andere Normalsterbliche und wir reden aus der Notwendigkeit heraus, einander zu verstehen. Und es finden nicht mehr die Athos gegen KKK oder Augustinus gegen Kappadozier Schaukämpfe statt, die 'gar fein ausdisputieret' wurden.

Aber der Weg zu einem Verstehen wird erst dann kürzer werden, wenn wir viel und lange nicht nur miteinander geredet und diskutiert haben sondern viel mehr gebetet und gefeiert haben und wir die gegenseitigen 'Konstrukte' nicht mehr als Mittel der Selbstbestätigung oder Selbsterhaltung einsetzen müssen.

Liebe Grüsse
Benedikt

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