Ach, das tut gut Ralf.
Ich bin mit dir da sehr einer Meinung. Es ist ein riesiges Problem, sich gegenseitig so wahrzunehmen, dass der andere sich darin wiedererkennt.
Ursachen gibt es viele und nicht immer nur sprachliche
Wenn wir mal die ganzen 'parteipolitischen' und 'geschichtlichen' Ursachen hinter uns lassen (und das ist schon ein rieser Brocken) dann liegt es meiner Meinung schon an den unterschiedlichen "Gebräuchen" von Worten. Und das liegt wohl an der unterschiedlichen Verwendungsweise und den verschiedenen Inhalten, die wir mit jeweils einem Begriff verknüpfen. Um nur einige zu benennen: Rechtfertigung und Theosis.
An anderer Stelle versuchen grade Orthodoxe sich der 'orthodoxen' Rechtfertigungslehre zu nähern. Das ist sowas von schwierig, dass ich keine Meinung habe, mich daran zu beteligen. Nicht dass dieser Begriff nicht neutestamentarisch wäre oder die Väter ihn nicht verwendet hätten, nein es ist die inhaltliche Begrifflichkeit, die so schwer zu vermitteln ist. Bei uns wirst du den Begriff kaum in einer Dogmatik finden, ebensowenig wie bei euch die Theosis, die in etwa inhaltlich der Rechtfertigung nahe ist.
Wenn wir Rechtfertigung hören, dann kommen all die 'Gerichtssaal'-Theologien auf, die wir lesen wenn wir Augustinus lesen. Und bei euch kommen wohl solche Ängste wie 'Selbsterlösung' auf wenn ihr Theosis hört. Wir finden, eure Theologie hat den 'Geist' verloren wenn wir mit'lesen' wie ihr mit Gott und um Gottes Gnade 'rechtet', ihr hört schwammiges Untheologisches wenn wir von der Gleichwerdung mit Gott reden.
Immerhin, Ralf, jetzt reden darüber Du und ich und andere Normalsterbliche und wir reden aus der Notwendigkeit heraus, einander zu verstehen. Und es finden nicht mehr die Athos gegen KKK oder Augustinus gegen Kappadozier Schaukämpfe statt, die 'gar fein ausdisputieret' wurden.
Aber der Weg zu einem Verstehen wird erst dann kürzer werden, wenn wir viel und lange nicht nur miteinander geredet und diskutiert haben sondern viel mehr gebetet und gefeiert haben und wir die gegenseitigen 'Konstrukte' nicht mehr als Mittel der Selbstbestätigung oder Selbsterhaltung einsetzen müssen.
Liebe Grüsse
Benedikt