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21

Monday, July 19th 2010, 8:51am

Der Gebrauch der lateinischen Sprache hatte in der römischen Kirche schon auch eine andere Intention als Liturgiesprachen in den orth. Kirchen. Sie war immer auch Zeichen des Machtanspruch Roms; nicht umsonst hat die Reformation die Volkssprache durchgesetz.
Das 2. Vaticanum hat dann ja die Volkssprache zugelassen.
Auch der jetzige Umgang mit der lateinischen Sprache in der römischen Liturgie ist immer noch ein anderer und auch mit anderen Assoziationen behaftet. Wer heute sich für Hl. Messen in der lateinischen Sprache starkmachen möchte und macht (FSSP und FSSPX z.B.) kann das nicht ohne die notwendige Katechese machen, denn nur aus Gründen der Traditionsbewahrung das zu pflegen ist in der heutigen Situation der kath. Kirche einfach nicht angebracht. Die Hl Messe ist schliesslich keine Folkloreveranstaltung.
Natürlich wäre es gut, wenn orthodoxe aus verschiedenen Ländern in Deutschland gemeinsam die Liturgie in deutscher Sprache feiern würden. Aber das Koine-Griechisch und Kirchenslavisch sollten doch in Klöstern gepflegt werden. Mir wäre durchaus daran gelegen, die Evangelien in der griechischen Liturgie in der Originalsprache zu hören. Ich denke, hier ist eine große Pluralität und Breite möglich und auch wünschenswert.
In den orthodoxen Kirchen ist schon lange ein Bedürfnis für das Verwenden der Vokssprache vorhanden.
Und es war auch nie vorgesehen unbedingt eine Liturgiesprache zu pflegen. Der Erhalt der Koine und des Kirchenslavischen hat historische Gründe: zum einen die lange Besetzung Griechenlands durch die Osmanen, die ja das kirchl. Leben total eingeschränkt hatten, zum anderen der Analphabtetismus in den sl. Ländern und die kommunistische Herrschaft die auch eine Entwicklung in Richtung Volkssprache aufgehalten haben. Hinzu kommt natürlich auch eine gehörige Portion Konservatismus; der wirkt heute am stärksten. In Russland vor allem; denn in den anderen orthodoxen Gemeinschaften ist man meist schon vollkommen zur Volkssprache übergegangen.
Auch in den Missionen wird Pionierarbeit geleistet im Übersetzen der Texte.
Die gewachsenen Musiktraditionen, von denen manchen meinen dass die nur in den kirchlichen Sprachen perfekt klingen, werden längst in anderen Sprachen angewandt und das mit Können und Erfolg.
Es wird natürlich immer Unterschiede in den Ansichten geben; vor allem zwischen denen die Ausführenden Chören angehören die orthodoxe Gesängen als Musiktradition pflegen und denen die das im Vollzug einer Liturgie singen und dann auch aktiv betend daran teilnehmen wollen.

LG Songul

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22

Tuesday, July 20th 2010, 10:18pm

Beim gebrauch des Lateinischen von Machtanspruch zu sprechen, scheint mir nicht angemessen. Eher würde ich vom Bewußtsein als Zeit und Raum überspannende Weltkirche und der Einheit mit Rom sprechen. Würde man zur Weltsprache Englisch wechseln, ginge die zeitliche Dimension der Einheit unter. Aber schon die Benutzung der lateinischen Sprache ist ja eine Anpassung an den Westen. So feiert auch die Orthodoxe Kirche, die in der Form der Liturgie ja konservativer ist, mit den Vätern. Dieses Bewußtsein geht verlohren, wenn wir uns nur nach unseren spontanen Zeitgeschmack der Gemeinde vor Ort richten. Die Liturgie selber ist Tradition und Quelle der Offenbarung. Deshalb untersteht sie nicht unserer Beliebigkeit. Das schließt die Sprache mit ein.

Ralf

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23

Friday, July 23rd 2010, 8:42am

Das ganze ist ein sehr interessantes Thema. Es gibt da meines Erachtens mehrere Probleme, die je nach Schwerpunktsetzung den einen oder anderen Standpunkt verstehen lassen:

1. wie erwähnt, Sprache ist ein Kommunikationsmittel. Allerdings ist es nicht das einzige (man kann ja bekanntlich nicht nicht kommunizieren). Hier gilt zu bedenken, daß der Adressat der Kommunikation nicht ein Mensch ist, sondern der Dreifaltige selbst, der unser Innerstes besser kennt als wir selbst.

2. Sprache dient nicht nur der Überbringung von Informationen, sondern auch dem Selbstausdruck. Durch eine mir unverständliche Sprache ist das kaum möglich, da ich nicht weiß, ob ich die ggf. vorformulierte Sprache für angemessen erachte.

3. Liturgie auf Erden ist ein Handeln des gesamten Volkes Gottes. Eine gemeinsame universale Sprache bezeichnet daher die Verbundenheit der Gläubigen untereinande (deswegen halte ich auch die Behauptung des Machtanspruches für falsch, mir fehlen zudem eindeutige Belege dafür).

4. Sprache ist nichts statisches, sondern sehr dynamisch (wie man am steten Wandel der Jugendsprachen und dem Streit über die Rechtschreibung erfahren konnte). Will man dem Volk immer wieder neu "aufs Maul schauen", haben Gebete ein sehr kurze Halbwertszeit.

5. Es wäre vermessen zu glauben, man verstehe das Gebet wirklich, nur weil es in der eigenen Muttersprache gesprochen wird. Die Verwendung der Muttersprache kann zudem zu liturgischer Verflachung führen.

6. die Verwendung einer fremden Sprache in der Liturgie ist aus missionarischen Gesichtspunkten eher kontraproduktiv. Jenseits von evtl. anfangs gefühlter Exotik gibt es kein Verständnis.

Das sind nur die kurzen ersten Gedanken dazu. Es gibt also durchaus etwas, was für und gegen alle Standpuntke spricht.

Benedikt

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24

Friday, July 30th 2010, 6:12pm

Das ganze ist ein sehr interessantes Thema. Es gibt da meines Erachtens mehrere Probleme, die je nach Schwerpunktsetzung den einen oder anderen Standpunkt verstehen lassen:

1. wie erwähnt, Sprache ist ein Kommunikationsmittel. Allerdings ist es nicht das einzige (man kann ja bekanntlich nicht nicht kommunizieren). Hier gilt zu bedenken, daß der Adressat der Kommunikation nicht ein Mensch ist, sondern der Dreifaltige selbst, der unser Innerstes besser kennt als wir selbst.

Lieber Ralf, du machst es ja erst richtig kompliziert ;) Ich lasse die anderen Kommunikationsmittel lieber aussen vor. Denn was eine Verbeugung in Afrika, Japan oder Deutschland beinhaltet, das weiss ich nicht so genau.
Adressat der liturgischen Sprache ist natürlich der Dreifaltige Gott UND mein Bruder neben mir. "Die Herzen in die Höhe" meint nicht Gott sondern mich/uns und euer: "Gebt einander ein Zeichen des Friedens" auch.
2. Sprache dient nicht nur der Überbringung von Informationen, sondern auch dem Selbstausdruck. Durch eine mir unverständliche Sprache ist das kaum möglich, da ich nicht weiß, ob ich die ggf. vorformulierte Sprache für angemessen erachte.

Richtig, aber der Selbstausdruck, wie du sagst, ist ja nicht primär meiner/des Individuums sondern der des Volkes Gottes. Und dabei geht es nicht um 100% Deckungsgleichheit mit meiner persönlichen Befindlichkeit. Es geht um die 'rechte Antwort/Haltung'. Dass das in einer unverständlichen Sprache, auch als gemeinschaftlicher Akt, schief geht, darin stimmen wir überein.
3. Liturgie auf Erden ist ein Handeln des gesamten Volkes Gottes. Eine gemeinsame universale Sprache bezeichnet daher die Verbundenheit der Gläubigen untereinande (deswegen halte ich auch die Behauptung des Machtanspruches für falsch, mir fehlen zudem eindeutige Belege dafür).

Lassen wir mal die Sache mit dem Machtanspruch weg.
Eine gemeinschaftliche Sprache ist eine Illusion. Latein spricht kein Mensch mehr und Kirchenslawisch sowie Koiné auch nicht. Bloss weil in Moskau oder Berlin oder auch in Huoston/Texas Kirchenslawisch als gemeinschaftliche Sprache in der Liturgie erklingt macht keine Gemeinschaft. Allerhöchstens äusserlich, und das ist Ritus, nicht mehr.
4. Sprache ist nichts statisches, sondern sehr dynamisch (wie man am steten Wandel der Jugendsprachen und dem Streit über die Rechtschreibung erfahren konnte). Will man dem Volk immer wieder neu "aufs Maul schauen", haben Gebete ein sehr kurze Halbwertszeit.

Ralf, ich hatte schon geschrieben: "Rauf mit den Pumpen" ist keine Alternative zu "Die Herzen in die Höhe". Weder das permanente Anpassen an sprachliche Entwicklung noch das Beharren auf den Formen sind lebendige Alternativen. Hier gilt es: Was du ererbt...
5. Es wäre vermessen zu glauben, man verstehe das Gebet wirklich, nur weil es in der eigenen Muttersprache gesprochen wird. Die Verwendung der Muttersprache kann zudem zu liturgischer Verflachung führen.

Bei einem Gebet, das nicht in der Muttersprache gesprochen wird hat man noch nicht mal eine Chance zum Verstehen.Die Lösung hiesse: Exegese in beiden Fällen. Zur Verflachung: s.o.
6. die Verwendung einer fremden Sprache in der Liturgie ist aus missionarischen Gesichtspunkten eher kontraproduktiv. Jenseits von evtl. anfangs gefühlter Exotik gibt es kein Verständnis.

Jawolllll
Das sind nur die kurzen ersten Gedanken dazu. Es gibt also durchaus etwas, was für und gegen alle Standpuntke spricht.


Na, denn man los, lass uns ein paar Standpuntke ( ;) ) austauschen
freut sich
Benedikt

This post has been edited 1 times, last edit by "Benedikt" (Jul 31st 2010, 12:13am)


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