In den orthodoxen Kirchen ist schon lange ein Bedürfnis für das Verwenden der Vokssprache vorhanden.Natürlich wäre es gut, wenn orthodoxe aus verschiedenen Ländern in Deutschland gemeinsam die Liturgie in deutscher Sprache feiern würden. Aber das Koine-Griechisch und Kirchenslavisch sollten doch in Klöstern gepflegt werden. Mir wäre durchaus daran gelegen, die Evangelien in der griechischen Liturgie in der Originalsprache zu hören. Ich denke, hier ist eine große Pluralität und Breite möglich und auch wünschenswert.
Das ganze ist ein sehr interessantes Thema. Es gibt da meines Erachtens mehrere Probleme, die je nach Schwerpunktsetzung den einen oder anderen Standpunkt verstehen lassen:
1. wie erwähnt, Sprache ist ein Kommunikationsmittel. Allerdings ist es nicht das einzige (man kann ja bekanntlich nicht nicht kommunizieren). Hier gilt zu bedenken, daß der Adressat der Kommunikation nicht ein Mensch ist, sondern der Dreifaltige selbst, der unser Innerstes besser kennt als wir selbst.
Ich lasse die anderen Kommunikationsmittel lieber aussen vor. Denn was eine Verbeugung in Afrika, Japan oder Deutschland beinhaltet, das weiss ich nicht so genau.2. Sprache dient nicht nur der Überbringung von Informationen, sondern auch dem Selbstausdruck. Durch eine mir unverständliche Sprache ist das kaum möglich, da ich nicht weiß, ob ich die ggf. vorformulierte Sprache für angemessen erachte.
3. Liturgie auf Erden ist ein Handeln des gesamten Volkes Gottes. Eine gemeinsame universale Sprache bezeichnet daher die Verbundenheit der Gläubigen untereinande (deswegen halte ich auch die Behauptung des Machtanspruches für falsch, mir fehlen zudem eindeutige Belege dafür).
4. Sprache ist nichts statisches, sondern sehr dynamisch (wie man am steten Wandel der Jugendsprachen und dem Streit über die Rechtschreibung erfahren konnte). Will man dem Volk immer wieder neu "aufs Maul schauen", haben Gebete ein sehr kurze Halbwertszeit.
5. Es wäre vermessen zu glauben, man verstehe das Gebet wirklich, nur weil es in der eigenen Muttersprache gesprochen wird. Die Verwendung der Muttersprache kann zudem zu liturgischer Verflachung führen.
6. die Verwendung einer fremden Sprache in der Liturgie ist aus missionarischen Gesichtspunkten eher kontraproduktiv. Jenseits von evtl. anfangs gefühlter Exotik gibt es kein Verständnis.
Das sind nur die kurzen ersten Gedanken dazu. Es gibt also durchaus etwas, was für und gegen alle Standpuntke spricht.
) austauschenThis post has been edited 1 times, last edit by "Benedikt" (Jul 31st 2010, 12:13am)